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Wie Sie ein Arbeitszeugnis in der Schweiz richtig verfassen: eine praktische Anleitung

4 Min. Lesezeit
Aktualisiert am 16/04/2026

In der Schweiz ist das Arbeitszeugnis obligatorisch und Bestandteil jedes Arbeitsverhältnisses. Es soll die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitenden und Unternehmen objektiv und wahrheitsgetreu abbilden. Hier erfahren Sie, welche Elemente dazugehören und wie Sie ein rechtssicheres und gut verständliches Dokument erstellen.


Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein Arbeitszeugnis ist in der Schweiz obligatorisch und muss objektiv, vollständig und wohlwollend formuliert sein, auch bei einem schwierigen Austritt

  • Es muss alle wesentlichen Angaben enthalten: Name der Mitarbeitenden, Beschäftigungsdauer, Funktion, Aufgaben, Beschäftigungsgrad, Leistungs- und Verhaltensbeurteilung, Ort, Datum und Unterschrift.

  • Eine klare Struktur in vier Teilen ist empfehlenswert: Einleitung, Tätigkeitsbeschreibung, Beurteilung, Schlussformel.

  • Die Bewertung muss präzise und ausgewogen sein, ohne vage Formulierungen oder Untertöne, die sich nachteilig auswirken könnten.

  • Der Text sollte verständlich und ohne internen Fachjargon formuliert sein, damit er auch von Dritten problemlos gelesen werden kann.

  • Bleiben Sie sachlich und positiv. Jedes Wort kann den weiteren beruflichen Weg der Mitarbeitenden beeinflussen.

  • Die Länge des Arbeitszeugnisses soll zur Funktion und zur Dauer der Anstellung passen.

  • Ein sorgfältig formuliertes Zeugnis stärkt das berufliche Profil der Mitarbeitenden und unterstreicht gleichzeitig die Professionalität des Unternehmens.

Wie verfassen Sie ein Arbeitszeugnis, das überzeugt?

Pflichtinhalte

Ein Arbeitszeugnis in der Schweiz muss klar und vollständig folgende Angaben enthalten:

  • Personalangaben (Name, Vorname, Geburtsdatum, Heimatort)

  • Ein- und Austrittsdatum

  • die ausgeübte Funktion, ergänzt durch eine ausreichend detaillierte Beschreibung der Aufgaben

  • den Beschäftigungsgrad (Vollzeit oder Teilzeit)

  • eine Beurteilung der Arbeitsleistung und des Verhaltens

  • Ort und Datum der Ausstellung

  • die Unterschrift der vorgesetzten Person oder der Geschäftsleitung

Ob Zwischenzeugnis (während der Anstellung, zum Beispiel bei einem internen Wechsel) oder Schlusszeugnis: Diese Angaben gehören in jedes Arbeitszeugnis.

Empfohlene Struktur

Die Erstellung eines Arbeitszeugnisses erfordert Sorgfalt, Präzision und einen ausgewogenen Ton. Für Klarheit und innere Logik bewährt sich eine Gliederung in vier Teile:

1. Einleitung

Dieser Abschnitt stellt die Mitarbeitenden vor: Name, Geburtsdatum, Funktion, Beschäftigungsgrad und Dauer des Arbeitsverhältnisses.

2. Tätigkeitsbeschreibung

In diesem Abschnitt werden die Aufgaben beschrieben, die die Mitarbeitenden tatsächlich ausgeführt haben, mit den wichtigsten Verantwortlichkeiten, den verwendeten Arbeitsmitteln, den wichtigsten Ansprechpersonen und dem Grad an Selbstständigkeit.

Das Ziel ist eine sachliche und gut verständliche Darstellung dessen, was die Person im Arbeitsalltag wirklich gemacht hat, klar, nachvollziehbar und ohne Übertreibungen.

3. Beurteilung

Dieser Teil des Zeugnisses ist oft der anspruchsvollste. Er umfasst die Qualität der Arbeit, das Verantwortungsbewusstsein sowie das Verhalten gegenüber Kolleg:innen, Vorgesetzten oder Kund:innen.

Vermeiden Sie übertriebene oder missverständliche Aussagen. «Wurde von den Kolleg:innen sehr geschätzt» oder «War immer pünktlich» sagt etwas anderes aus als «Zeigte ausgeprägten Teamgeist» oder «Bewältigte anspruchsvolle Situationen ruhig und effizient». Ein indirekt negatives Arbeitszeugnis kann eine spätere Bewerbung deutlich beeinträchtigen.

4. Abschluss

Zum Abschluss folgt eine wertschätzende Schlussformel. Sie kann ein Dankeschön enthalten, gute Wünsche für die Zukunft und – wenn es zur Situation passt – auch das Bedauern über den Weggang. Der Ton bleibt auch bei kurzen oder anspruchsvollen Anstellungen respektvoll.

Formulierungsempfehlungen

Ein Arbeitszeugnis verlangt ein ausgewogenes Vorgehen: Es soll die Leistung würdigen, ohne die Realität zu beschönigen.

  • Einfach und klar formulieren: kein interner Jargon, keine Abkürzungen. Das Dokument richtet sich an Personen ausserhalb des Unternehmens und muss ohne zusätzlichen Kontext verständlich sein.

  • Faktisch und objektiv bleiben: Jede Formulierung zählt. Lücken oder allzu vage Aussagen können schnell als indirekte Kritik verstanden werden.

  • Die Länge dem Profil anpassen: Kurzzeitanstellungen oder einfachere Funktionen können knapp gehalten werden. Anspruchsvollere Rollen oder lange Anstellungen verdienen eine ausführlichere Beschreibung, die Entwicklung, Aufgaben und erzielte Ergebnisse abbildet.

Ein hastig oder zu neutral formuliertes Arbeitszeugnis kann das berufliche Ansehen der Mitarbeitenden beeinträchtigen. Nehmen Sie sich deshalb Zeit und stützen Sie sich bei Bedarf auf Rückmeldungen der vorgesetzten Person oder auf frühere Leistungsbeurteilungen.

Beispiel Arbeitszeugnis

Hier folgt ein Beispiel, das den gängigen Schweizer Standards entspricht und nach der oben beschriebenen Struktur aufgebaut ist.


Arbeitszeugnis

Frau Sophie Martin, geboren am 15. Juli 1987 in Bern, war vom 1. Mai 2018 bis zum 30. April 2025 in unserem Unternehmen als Leiterin Administration mit einem Beschäftigungsgrad von 80 % tätig.

Im Rahmen ihrer Funktion war Frau Martin für die administrative Gesamtorganisation des Unternehmens verantwortlich. Dazu gehörten die Fakturierung, das Monitoring der Zahlungen, die Verwaltung der HR-Dossiers (Verträge, Absenzen, Löhne) sowie die administrative Unterstützung der Projektteams.

Sie erfüllte ihre Aufgaben mit hoher Sorgfalt, Selbstständigkeit und Professionalität. Besonders hervorzuheben sind ihr Organisationstalent, ihre Zuverlässigkeit und ihr ausgeprägtes Servicebewusstsein. Das Verhältnis zu Kolleg:innen, Kund:innen und Partner:innen war stets ausgezeichnet.

Wir danken Frau Martin herzlich für ihr Engagement und ihre konstant hohe Arbeitsqualität. Wir bedauern ihren Weggang und wünschen ihr für die berufliche Zukunft alles Gute.

Bern, 30. April 2025

Unterschrift
Funktion


Ein gut formuliertes Arbeitszeugnis listet nicht nur Fakten auf. Es spiegelt eine berufliche Beziehung, dokumentiert den Werdegang und spielt eine zentrale Rolle bei künftigen Bewerbungen. Wer die empfohlene Struktur berücksichtigt, die Pflichtangaben einhält und auf eine präzise, wohlwollende Sprache achtet, erfüllt die gesetzlichen Anforderungen und stärkt gleichzeitig die professionelle Glaubwürdigkeit des Unternehmens.

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