Lucca Logo
Rekrutierungsmethoden in der Schweiz
talentmanagement

Welche Rekrutierungsmethoden sind in der Schweiz üblich?

4 Min. Lesezeit
Aktualisiert am 16/04/2026

Angesichts eines angespannten Arbeitsmarkts, digitalisierter Rekrutierungsprozesse und hoher Erwartungen der Kandidat:innen müssen Schweizer Unternehmen schneller reagieren und ihre Rekrutierungsstrategien laufend anpassen. Welche Rekrutierungsmethoden sind unter diesen Bedingungen besonders wirksam? Lucca gibt Ihnen einen klaren und praxisnahen Überblick über die Ansätze, die tatsächlich funktionieren – damit Sie gezielter und schneller rekrutieren.

Der Artikel in 1 Minute

  • Der Schweizer Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Besonders schwierig ist die Rekrutierung technischer Profile in IT, Ingenieurwesen oder Forschung und Entwicklung (F&E).

  • Sechs Rekrutierungsmethoden dominieren aktuell in der Schweiz: Stelleninserate auf spezialisierten Plattformen, soziale Netzwerke, Networking, Personalvermittlungen, Rekrutierung durch Mitarbeitendenempfehlung sowie interne Rekrutierung.

  • Um Talente zu gewinnen, sollten Unternehmen diese Kanäle kombinieren, ihre Arbeitgebermarke stärken und einen personalisierten, proaktiven Rekrutierungsansatz verfolgen.


Wie entwickelt sich die Rekrutierung in der Schweiz?

Schweizer Unternehmen begegnen bei der Rekrutierung bestimmter Profile weiterhin grossen Schwierigkeiten. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Von Rundstedt geben 64 Prozent der befragten Unternehmen an, IT-Fachkräfte nur schwer rekrutieren zu können. 61 Prozent nennen Ingenieurstellen, 54 Prozent F&E-Positionen. Stellen in Administration, Kommunikation oder Marketing sind hingegen vergleichsweise leichter zu besetzen.

Bei vergleichbarer Qualifikation entscheiden sich fast 80 Prozent der Recruiter:innen für ein lokales Profil. In der Deutschschweiz ist dieser Anteil noch höher. Bei Kandidat:innen aus Nicht-EU-Staaten werden die administrativen Anforderungen häufig als aufwendig empfunden. 85 Prozent der Unternehmen berichten von Schwierigkeiten bei der Rekrutierung ausserhalb Europas.

Die Abkühlung des Arbeitsmarkts im Jahr 2024 hat den sogenannten «verdeckten Arbeitsmarkt» weiter gestärkt. Viele Stellen werden heute über persönliche Kontakte oder Netzwerke besetzt. Davon profitieren vor allem erfahrene Fachkräfte, während der Zugang für Berufseinsteiger:innen schwieriger wird.

Umso wichtiger sind eine starke Arbeitgebermarke – bereits 76 Prozent der Unternehmen investieren darin – sowie eine breit aufgestellte Sourcing-Strategie. Nur so bleiben Unternehmen attraktiv und konkurrenzfähig.

Welche Rekrutierungsmethoden funktionieren in der Schweiz?

Angesichts eines sich wandelnden Marktes müssen Recruiter:innen ihre Praktiken anpassen. Hier finden Sie sechs Rekrutierungsmethoden, die sich in der Schweiz bewährt haben.

Stelleninserate auf spezialisierten Plattformen

Trotz der wachsenden Zahl an Rekrutierungskanälen bleibt die Veröffentlichung von Inseraten auf Jobportalen eine der am häufigsten genutzten Methoden in der Schweiz. Generalistische Plattformen wie Indeed oder JobScout24 werden ebenso genutzt wie branchenspezifische Portale.

Damit Inserate ihre Wirkung entfalten, sollten Unternehmen:

  • Stellenanzeigen auf mehreren Plattformen gleichzeitig veröffentlichen, um die Reichweite zu erhöhen

  • Titel, Keywords und Beschreibungen präzise formulieren

  • den Karrierebereich ihrer Website aktuell halten und SEO-optimiert gestalten

Tools wie Flatchr, Recruitee oder Softgarden unterstützen dabei, Inserate zentral zu steuern und automatisiert zu veröffentlichen, und verbessern gleichzeitig die Candidate Experience.

Gut zu wissen: Diese Methode erreicht viele potenzielle Kandidat:innen, kann jedoch eine grosse Zahl wenig passender Bewerbungen mit sich bringen.

Rekrutierung über berufliche Netzwerke

LinkedIn, Facebook, Instagram oder Xing sind heute fester Bestandteil vieler HR-Strategien.

Stärken dieser beruflichen Netzwerke:

  • sowohl aktiv suchende als auch wechselbereite Kandidat:innen ansprechen

  • Kandidat:innen mithilfe von Tools wie LinkedIn Recruiter gezielt ansprechen

  • die Unternehmenskultur durch Videos, Erfahrungsberichte oder kreative Kampagnen sichtbar machen

Diese Methode eignet sich besonders für die Ansprache klar definierter Zielgruppen, erfordert jedoch Zeit und gutes Know-how im Sourcing.

Networking

Das persönliche Netzwerk spielt in der Schweiz weiterhin eine wichtige Rolle bei der Rekrutierung, insbesondere in technischen Branchen oder bei Führungspositionen, wo Empfehlungen stark gewichtet werden.

Jobmessen, Hochschulveranstaltungen oder Fachforen bieten zahlreiche Möglichkeiten, direkt mit Kandidat:innen in Kontakt zu treten, vor allem mit jungen Absolvent:innen.

Networking stärkt die Arbeitgebermarke und hilft, motivierte Profile zu identifizieren. Voraussetzung ist jedoch eine gezielte Vorbereitung.

Gut zu wissen: Gerade in einem angespannten Arbeitsmarkt bleibt der persönliche Kontakt entscheidend.

Zusammenarbeit mit Personalvermittlungen

Personalvermittlungen oder spezialisierte Recruiting-Beratungen werden häufig für bestimmte Profile beigezogen. Besonders bei der Rekrutierung von Führungskräften oder sehr spezifischen technischen Profilen bieten diese Fachpersonen:

  • eine qualifizierte Vorauswahl

  • Zugang zu Profilen, die nicht öffentlich sichtbar sind

  • eine spürbare Entlastung im Rekrutierungsprozess

Headhunter gehen noch einen Schritt weiter, indem sie Talente direkt ansprechen, auch wenn diese nicht aktiv auf Stellensuche sind. Trotz höherer Kosten kann sich dieser Ansatz bei strategischen Rekrutierungen lohnen, insbesondere wenn dadurch Besetzungszeiten verkürzt oder seltene Profile gesichert werden.

Rekrutierung durch Mitarbeitendenempfehlung

Bei der Mitarbeitendenempfehlung schlägt Personen aus dem Unternehmen geeignete Kandidat:innen aus ihrem Netzwerk vor. Diese Methode ist in der Schweiz besonders beliebt, da sie Kosten reduziert, Prozesse beschleunigt und häufig eine gute kulturelle Passung ermöglicht.

Viele Unternehmen setzen zusätzlich auf Empfehlungsprämien, um die aktive Beteiligung der Mitarbeitenden zu fördern.

Interne Rekrutierung

Interne Rekrutierung stärkt die Bindung, senkt Onboarding-Kosten und eröffnet Entwicklungsperspektiven.

Voraussetzung sind geeignete HR-Tools, mit denen sich interne Talente systematisch identifizieren und weiterentwickeln lassen.

Eine Talentmanagement-Software hilft dabei, Potenziale sichtbar zu machen und Karrierewege aktiv zu gestalten. Gleichzeitig sendet sie ein klares Signal an die Teams: Entwicklungsmöglichkeiten bestehen auch innerhalb des Unternehmens.

In der Schweiz reicht es heute nicht mehr, eine Stelle auszuschreiben und abzuwarten. Erfolgreiche Rekrutierung beruht auf einer durchdachten Multichannel-Strategie, einem aktiv gepflegten Netzwerk und einer Arbeitgebermarke, die glaubwürdig ist und zu den Erwartungen der Kandidat:innen sowie zum lokalen Markt passt.

Artikel teilen