Der Mangel an qualifizierten Fachkräften wird für Schweizer Unternehmen zunehmend zur Herausforderung. In einem Umfeld mit nahezu Vollbeschäftigung und demografischem Wandel werden Talente in allen Branchen knapper. Doch statt den Fachkräftemangel einfach hinzunehmen, können Unternehmen aktiv gegensteuern. Wie lässt sich der Rekrutierungsprozess optimieren, wie können Teams langfristig gebunden und zukünftige Kompetenzbedarfe frühzeitig erkannt werden? Lucca beantwortet die wichtigsten Fragen.
Der Artikel in 1 Minute
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Der Fachkräftemangel verschärft sich in der Schweiz und betrifft inzwischen nahezu alle Branchen. Gründe sind die alternde Bevölkerung, fehlende qualifizierte Profile und Arbeitsbedingungen, die teilweise als wenig attraktiv gelten.
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Die Auswirkungen auf Unternehmen sind erheblich: sinkende Wettbewerbsfähigkeit, höhere Belastung der Teams sowie eine geringere Innovationsfähigkeit und Schwierigkeiten, auf neue Erwartungen zu reagieren.
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Rekrutierung verbessern, Mitarbeitende binden und gezielt in Weiterbildung investieren: Diese Massnahmen helfen, dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen.
Wie stark ist der Fachkräftemangel in der Schweiz?
Der Fachkräftemangel nimmt in der Schweiz seit Jahren zu und betrifft immer mehr Branchen – insbesondere das Gesundheitswesen, das Baugewerbe, die IT sowie die Industrie.
Laut dem Fachkräftemangel Index Schweiz 2023 der Adecco Gruppe Schweiz und des Stellenmarkt-Monitors Schweiz zeigt sich der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften besonders in Gesundheits- und technischen Berufen. Während sich der Mangel früher vor allem auf hochqualifizierte Spezialist:innen beschränkte, betrifft er heute ein deutlich breiteres Spektrum an Tätigkeiten, einschliesslich ausführender Funktionen.
Mehrere Faktoren tragen zur Entwicklung dieses Fachkräftemangels bei:
Demografischer Wandel: Wie viele europäische Länder verzeichnet auch die Schweiz zahlreiche Pensionierungen, ohne dass ausreichend Nachwuchs nachrückt.
Stagnierende Erwerbsbevölkerung: Das Wachstum der erwerbstätigen Bevölkerung verlangsamt sich, unter anderem aufgrund sinkender Geburtenraten.
Attraktivität der Stellen: Löhne sind nicht immer wettbewerbsfähig, Arbeitsbedingungen teilweise zu wenig flexibel.
Das Resultat: Trotz einer Arbeitslosenquote von rund 2 Prozent und attraktiver Vergütungspolitik bleiben zahlreiche Stellen über längere Zeit unbesetzt, weil qualifizierte Kandidat:innen fehlen.
Welche Herausforderungen bringt der Fachkräftemangel für Unternehmen mit sich?
Über das reine Besetzen offener Stellen hinaus bringt der Mangel an qualifizierten Fachkräften für Unternehmen weitreichende Konsequenzen mit sich. Er beeinflusst Leistungsfähigkeit, Innovationskraft und mittel- bis langfristiges Wachstum.
Zu den zentralen Herausforderungen zählen:
Wettbewerbsfähigkeit sichern: Fehlen qualifizierte Mitarbeitende, verlängern sich Produktionszeiten, und die Servicequalität kann leiden.
Die Funktionsfähigkeit des Unternehmens sichern: Steigende Arbeitsbelastung für bestehende Teams führt zu Erschöpfung, sinkendem Engagement und erhöhtem Fluktuationsrisiko.
Erwartungen jüngerer Generationen erfüllen: Neueinsteiger:innen legen grossen Wert auf Flexibilität, Sinnhaftigkeit und Lebensqualität am Arbeitsplatz.
Wirtschaftlichen Wandel bewältigen: Digitale und ökologische Transformation verändern Berufsbilder und erfordern neue Kompetenzen.
Wie gewinnen und binden Unternehmen qualifizierte Talente?
Um dem Fachkräftemangel in der Schweiz wirksam zu begegnen, braucht es eine ganzheitliche HR-Strategie, die drei Dimensionen verbindet: Talente gewinnen, Mitarbeitende binden und Kompetenzen entwickeln.
Rekrutierungsstrategie neu ausrichten
Wer Talente gewinnen möchte, sollte seine Rekrutierungsmethoden kritisch hinterfragen. Mögliche Ansätze:
Arbeitgebermarke stärken: Machen Sie deutlich, wofür Ihr Unternehmen steht – Werte, Kultur und Projekte sind entscheidende Differenzierungsfaktoren.
Rekrutierungskanäle diversifizieren: Nutzen Sie soziale Netzwerke, spezialisierte Plattformen, Mitarbeitendenempfehlungen oder Kooperationen mit Bildungsinstitutionen.
Candidate Experience optimieren: Vereinfachen Sie Bewerbungsprozesse und geben Sie zeitnah Rückmeldungen.
Auswahlkriterien anpassen: Nicht immer ist Erfahrung entscheidend – Potenzial kann langfristig wertvoller sein.
Gut zu wissen: Digitale Tools wie Applicant-Tracking-Systeme (ATS) helfen, Reibungspunkte im Prozess zu identifizieren, Bewerbungen zentral zu verwalten und Besetzungszeiten zu verkürzen.
Neue Zielgruppen erschliessen
Einige Schweizer Unternehmen begegnen dem Fachkräftemangel erfolgreich, indem sie ihren Talentpool erweitern:
Internationale Fachkräfte rekrutieren: Für bestimmte technische Profile reicht der lokale Arbeitsmarkt nicht aus.
Senior:innen oder Menschen mit Beeinträchtigung einstellen: Erfahrung und Diversität sind wertvolle Ressourcen.
Mit Behörden und Institutionen kooperieren: Integrationsprogramme oder Förderinstrumente können zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.
Weiterbildung und Kompetenzentwicklung fördern
Kontinuierliche Weiterbildung ist ein wirksames Mittel gegen den Fachkräftemangel:
Schlüsselkompetenzen identifizieren, die für die strategische Ausrichtung des Unternehmens entscheidend sind.
Interne Weiterbildungen und Mentoring fördern, um vorhandenes Know-how gezielt weiterzugeben.
Umschulungen begleiten: Viele Mitarbeitende sind bereit, sich in gefragte Berufsfelder weiterzuentwickeln, wenn sie dabei unterstützt werden.
Gut zu wissen: Das SBFI (Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation) unterstützt zahlreiche Weiterbildungsinitiativen. Unternehmen können von Kofinanzierungen oder regionalen Förderprogrammen profitieren.
Bestehende Mitarbeitende langfristig binden
Das vorhandene Humankapital zu sichern ist ebenso wichtig wie neue Fachkräfte zu gewinnen. Eine menschenzentrierte HR-Politik ist entscheidend:
Flexibilität ermöglichen: Homeoffice, flexible Arbeitszeiten oder Modelle wie die 4-Tage-Woche erhöhen die Attraktivität.
Qualität am Arbeitsplatz stärken: Wertschätzende Kultur, Anerkennung und ausgewogene Work-Life-Balance fördern Zufriedenheit.
Engagement fördern: Mitarbeitende werden aktiv in strategische Entscheidungen einbezogen, Eigeninitiative wird unterstützt und individuelle Beiträge sichtbar gewürdigt.
Der Fachkräftemangel zwingt Schweizer Unternehmen dazu, traditionelle HR-Ansätze zu überdenken. Wer Rekrutierung, Entwicklung und Bindung strategisch verzahnt, schafft die Grundlage für ein resilienteres, inklusiveres und anpassungsfähigeres Unternehmen. Vielleicht liegt in dieser Herausforderung sogar die Chance, den Stellenwert von Arbeit im eigenen Unternehmen nachhaltig neu zu definieren.
Wer dem Fachkräftemangel nachhaltig begegnen will, braucht klare Prozesse und eine verlässliche HR-Basis. Digitale Lösungen schaffen Transparenz, entlasten Teams und geben Ihnen die nötige Flexibilität, um schnell zu handeln.


